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Die Geburt der Tragödie

Konzept und Inszenierung, Maxime Kurvers
Mit Julien Geffroy
Text und Dramaturgie, Julien Geffroy, Maxime Kurvers, Caroline Menon-Bertheux
Kostüme, Anne-Catherine Kunz
Licht, Manon Lauriol
Einstudierung, Claire Rappin und Charles Zévaco
 
Produktion, MDCCCLXXI
Koproduktion, Festival d’Automne à Paris, La Commune CDN d’Aubervilliers
Mit Unterstützung von, La Ménagerie de verre (Paris) im Rahmen von Studiolab, Montévidéo – Créations contemporaines (Marseille), CND Centre national de la danse (Pantin), Théâtre National de Strasbourg, Tréteaux de France – centre dramatique national (für die Bereitstellung ihrer Probenräume)
Uraufführung am, 23. November 2018 in La Commune centre dramatique national d’Aubervilliers im Rahmen des Festival d’Automne à Paris
Dank an, Jérôme Bel, Candy Karra, Marie Schmitt, Herman Sorgeloos
 

Mit diesem dritten Stück setzt Maxime Kurvers seine Erforschung der Grundlagen des Theaterwerks fort. In einem radikalen Setting, in dem der Bühnenraum nur auf seine ursprüngliche Funktion verweist, begründen die Sprache und die Präsenz des Darstellers allein diese Erzählung des tragischen Genres — befreit von jedem Bezug zum Spektakulären.

Maxime Kurvers schlägt eine Rückkehr zur Genesis der Theaterkunst vor, um die minimalen Bedingungen, die sie ermöglichen, besser verständlich zu machen. Es geht hier darum, das Stück in einem Bereich vor dem Spektakulären zu halten, bevor szenografische und dramaturgische Elemente es einer Logik der Effekte unterwerfen — seien diese narrativer, ästhetischer oder emotionaler Natur. Die Schlichtheit der Regie organisiert das Stück um eine einzige, entschieden diskursive Handlung: die direkte Ansprache des Darstellers an die flüchtige Gemeinschaft des Publikums. Die Erzählung des Schauspielers genügt, um ein verkörpertes Gedächtnis der tragischen Literatur zu bilden und eine Geschichte der westlichen Bühnenkunst zu strukturieren, gedacht ausgehend von Aischylos’ Die Perser, der ältesten überlieferten Tragödie. Der Darsteller verleibt dieser Erzählung ebenso die prosaische Beschreibung der Uraufführung im Jahr 472 v. Chr. ein wie die gefühlsmäßige Wertschätzung der theateralen Anordnung, die seit ihrer Entstehung unverändert geblieben ist. In der Nachfolge von Peter Handkes „Sprechstücken“ oder Guy Debords „Anti-Filmen“, als Erbe modernistischer Theorien und des konzeptuellen Tanzes, begreift Maxime Kurvers diesen Anfang als Selbstzweck und bekräftigt, dass der Ursprung der Tragödie woanders zu suchen ist als in der Illusion des Spektakels.

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Florian Gaité für das Festival d'Automne à Paris, 2018

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Was sind die minimalen Bedingungen für die Möglichkeit von Theater? Nicht sein verlorener Ursprung oder sein authentisches Wesen, sondern ganz einfach seine Art zu geschehen. In Die Geburt der Tragödie offenbart es sich abseits des Spektakulären, fernab von Faszinationseffekten und zu bloßem Zierrat gewordenen Formen. Durch die Sanftheit und Evidenz einer Situation, die auf ihre wesentlichen Koordinaten reduziert ist: ein Schauspieler auf der Bühne, der nichts anderes zu spielen hat als sein Gedächtnis. Seine Erinnerungen verbinden die Fabel von Aischylos’ Die Perser mit der phantasmahaften Erzählung ihrer ersten Aufführung: Im Dionysostheater in Athen soll 472 v. Chr. das älteste in der westlichen Welt entstandene Stück gegeben worden sein. Doch man täusche sich nicht: Hier gibt es kein Streben nach einer Rückkehr zu einem wie auch immer gearteten „goldenen Zeitalter“ der Dramatik. Geschichte und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart, Affekt und Rationalität sind in einer dialektischen Bewegung gefangen. Der Ehrerbietung gegenüber dem historischen Überrest — nicht als altes Monument, sondern als zeitgenössische Schicht — antwortet die unermüdliche Suche nach dem, meinetwegen auch beiläufig, was unsere emotionalen Fähigkeiten berührt. Ein Versuch, den Ort zu denken, an dem die Tragödie eben geschieht und ihre Pracht entfaltet.

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Marie-José Malis für La Commune CDN d'Aubervilliers, 2018

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