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Kurze Stücke 1-9 

Konzept und Regie, Maxime Kurvers
Mit Julien Geffroy, Claire Rappin, Charles Zévaco
Licht, Manon Lauriol
Ton, Thomas Laigle
 
Produktion, MDCCCLXXI

Koproduktion, La Ménagerie de verre – Paris, La Commune CDN d'Aubervilliers

Mit Unterstützung von, Vivarium Studio Paris, Nef Saint-Dié-des-Vosges und Institut Français d’Égypte au Caire

Dank an, Jérôme Bel, Xavier Brossard, Olivier Coulon-Jablonka, Philippe Quesne

Uraufführung am, 9. April 2015 in La Ménagerie de verre im Rahmen des Festivals Étrange Cargo

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„Wie ! Soll es also in einer Republik gar keine Schauspiele geben ? Im Gegenteil, es braucht deren viele.“ 

Jean-Jacques Rousseau, Brief an D'Alembert über die Schauspiele, 1758.

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„Man bedenke, welche Enthaltsamkeit dazu gehört, sich so kurz zu fassen. Jeder Blick lässt sich zu einem Gedicht, jeder Seufzer zu einem Roman ausdehnen. Aber: einen Roman durch eine einzige Geste, ein Glück durch ein einziges Aufatmen auszudrücken: solche Konzentration findet sich nur da, wo die Wehmut in gleicher Fülle herrscht.“

Arnold Schoenberg, Vorwort für die Sechs Bagatellen für Streichquartett (op. 9), Juni 1924.​

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Welche Entscheidungen können unser Leben verändern ? Kann eine Theateraufführung solche Entscheidungen aufnehmen, aktivieren und bearbeiten?

Das Konzept ist ebenso einfach wie kühn: In neun kurzen Stücken gilt es für die Darstellenden, die Gelegenheit zu ergreifen und/oder einen Lernweg zu finden, um Perspektiven für bewusste Veränderungen im Alltag zu eröffnen. Die Suche nach den Bruchpunkten findet im Hier und Jetzt statt, getragen von einem lebhaften Wunsch nach Transformation. Doch Entschlossenheit bedeutet hier keineswegs Übertreibung: Es sind einfache, wenn auch ungewöhnliche Aufgaben, die das Denken anregen. Von der Kontemplation („Ich versuche, eine Idee zu haben“; „Ich beschließe, ein paar Bäume zu betrachten“) über die Introspektion („Ich versuche, Zugang zu meinen Emotionen zu bekommen“) bis hin zum Heraufbeschwören einer endlich freien Menschheit („Ich erlaube mir, eine kommunistische Utopie auszusprechen“) dient die Bühne als aufdeckendes Prisma für neue Möglichkeiten.

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Noëmie Charrié für La Commune CDN d'Aubervilliers, 2015

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Pièces courtes 1-9 hat seine eigene Struktur und seinen Inhalt zum Titel: neun Stücke mit einer Dauer von 3 bis 25 Minuten, deren Reihenfolge die Aufführung ergibt. In jedem dieser Stücke geht es darum, Situationen zu erfinden und zu organisieren, die das Dasein der Darstellenden verändern oder modifizieren. In einer vagen Tradition der Task Performances formalisiert sich dies über eine Reihe einfacher Aufgaben, die mithilfe des Theaters und seiner künstlichen Maschinerie auszuführen sind.

Die Mehrheit der unternommenen Handlungen verweist auf alltägliche oder spezifisch theatrale Bewegungsabfolgen, die a priori ästhetisch nicht standardisiert sind und somit unterschiedliche, wenn nicht gar gegensätzliche Grade an Theatralität aufweisen. Eine Dramaturgie, die zur Abfolge der Stücke 1 bis 9 führt, könnte also darin bestehen, darin ebenso viele verschiedene (und für sich genommen vermutlich unzureichende) Hypothesen für die theatrale Anordnung zu erblicken. Diese Erforschung, die von der Theaterbühne als Ort unendlicher Darstellungen der Welt ausgeht, zielt nicht auf eine Selbstüberwindung im eigentlichen Sinne ab, sondern bescheidener darauf, Handlungen zu organisieren, die man genau hier nicht unternommen hätte, indem man sie als potenzielle Perspektiven bewusster Veränderungen im Alltag setzt. Perspektiven, die das Theater performativ aktiviert.

Manfred Wekwerth, der von 1951 bis 1956 Bertolt Brechts Assistent war, hatte für eine Inszenierung „brechtianischer“, also marxistischer Prägung bereits die Theorie formuliert, dass ein Theaterstück in kleine, isolierte Teile zerlegt werden kann. Für ihn ging es darum, in der Spannung zwischen einer Mikro- und einer Makrostruktur das herauszuarbeiten, was er als „Drehpunkt“ bezeichnete — jenem genauen Moment, in dem sich eine Situation verwandelt, in dem sich Eins in Zwei teilt.

Solche Anordnungen für sich selbst zu entwerfen, bräuchte eine Methode, die man erproben, die man zeigen müsste ... Und das Theater kann, wenn man die Regie auf das Schaffen von Situationen beschränkt, mit Sicherheit dazu dienen.

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Maxime Kurvers, 8. April 2015

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