top of page

Theorien und Praktiken

der Schauspielkunst

(1428-2020)

eine lebendige Bibliothek für die Schauspielkunst –
Kapitel 1 bis 28
Teil 1: Vollständige Metamorphose
Teil 2: Lernprozesse / Moderne
Teil 3: Affektiver Athletismus
Teil 4: Performen
Konzept und Regie, Maxime Kurvers
Mit Évelyne Didi, Camille Duquesne, Julien Geffroy, Michèle Gurtner, Mamadou M Boh, Caroline Menon-Bertheux, Yoshi Oida
Text und Dramaturgie, Maxime Kurvers und das Team
Kostüme, Anne-Catherine Kunz
Licht, Manon Lauriol
Schneiderarbeiten, Maria Eva Rodrigues Matthieu
Perücke, Mélanie Gerbeaux
 
Produktion, MDCCCLXXI
Koproduktion, La Commune CDN d’Aubervilliers, Festival d’Automne à Paris, The Saison Foundation (Tokyo)
Mit Unterstützung der, DRAC Île-de-France (im Rahmen der Ausstatter- und Projektförderung) und der Behörde für kulturelle Angelegenheiten Japans
Unter Mitwirkung von, La Ménagerie de verre im Rahmen von Studiolab, Odéon – Théâtre de l’Europe, Tréteaux de France – centre dramatique national, Morishita Studio (Tokyo) für die Bereitstellung ihrer Forschungs- und Probenräume
Dank an, Sheila Atala, Manuela Beltrán, Mustafa Benyaya, Virginie Colemyn, Georges Didi-Huberman, Atsuko Hisano, Taro Inamura, Matthias Langhoff, Pascale Lecoq, Vincent Rouche, Tadashi Uchino, Taro Yokoyama und Yoshiji Yokoyama
 

Durch die Rückkehr zu den Grundlagentexten der Theaterdisziplin speist Maxime Kurvers eine kritische Lektüre der pädagogischen Werkzeuge, die dem Schauspieler zur Verfügung stehen. Er lädt seine Darsteller dazu ein, theoretische Aussagen frei zu performen, und trägt so zu einer verkörperten Enzyklopädie dieser — hier neu angeeigneten — Vorschläge bei.

In Fortführung seiner mit Die Geburt der Tragödie begonnenen Forschungen zur Imagination des Schauspielers schlägt Maxime Kurvers Schauspielern vor, ihre methodischen Werkzeuge und die Distanz zu hinterfragen, die diese präskriptiven Diskursen von der Praxis trennt, zu der sie Anlass geben. Es geht darum, zu den Schriften zurückzukehren, die die theoretischen Grundlagen geliefert haben, Zeami, Diderot, Brecht, Meyerhold, Lecoq, Bogart oder Overlie im Originaltext wiederzulesen, um sie auf ihre Wörtlichkeit zurückzuführen, bevor theatrale „Präzipitate“ daraus entstehen. Jeder Schauspieler übersetzt so ein intellektuelles Konzept in die Praxis, um das Theaterwissen zu inkorporieren, das er gleichzeitig demonstriert. Die Gesamtheit dieser performativen Übungen bildet eine lebendige Bibliothek — verkörpert und im Widerspruch zu jeglichem Spektakel. Indem Maxime Kurvers das Schauspiel auf den Status einer intellektuellen Situation zurückführt, betbettet er es wieder in seine Historizität ein, um besser zu durchdenken, wie der Schauspieler den Diskurs stets subjektiviert, welcher sich im Gegenzug an seine Plastizität anpasst. Diese Abfolge von Artikulationssituationen, die sich aus dem individuellen Verständnis der Texte ableitet, zeichnet so eine Geschichte der theateralen Moderne nach; sie zeichnet das Profil eines informierten, in seiner Interpretation freien und potenziell souveränen Schauspielers. Die heutige Erzählung der Rolle und der sozialen Funktion des Schauspielers verdeutlicht schließlich, wie diese Werkzeuge Mittel darstellen, mit denen sich jede Epoche ausstattet, um sich die Welt vorzustellen.

Florian Gaité für das Festival d'Automne à Paris, 2020/2022

​

bottom of page